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Samstag, 14. Juli 2007, 21:10

Leichtathletik .. Speer-Schock in Rom

Speer-Schock in Rom - Frauen-Trio kämpft um Jackpot


Nach dem Speer-Schock am Freitag, dem 13. gaben die Ärzte Entwarnung, die Leichtathletik-Szene war erleichtert. Der beim Golden-League-Meeting in Rom vom Speer getroffene Weitspringer Salim Sdiri hatte Glück im Unglück - und einen Schutzengel.

Nach einer gründlichen Untersuchung stellten die Ärzte bei dem Franzosen nur eine leichte Verletzung am Oberkörper fest. Die Fleischwunde war etwa drei Zentimeter tief, die Speerspitze hatte keine inneren Organe verletzt. So konnte der 28-Jährige bereits in der Nacht zum Samstag aus der Klinik entlassen werden. Sdiri war an der Weitsprunggrube vom weit abgedrifteten Speer des Finnen Tero Pitkämäki seitlich am Brustkorb getroffen worden.

'Ich habe noch nie erlebt, dass ein Speer so weit aus dem Sektor fliegt. Mir hat es da fast den Magen umgedreht', sagte Speerwurf- Europameister Andreas Thorkildsen dem Pay-TV-Sender Premiere. Der Norweger war nach dem schrecklichen Unfall genau so geschockt wie alle seine Kollegen. Vor allem Pitkämäki war fassungslos und schickte ein Stoßgebet aus dem Stadio Olimpico gen Himmel: 'Ich hoffe nur, der Weitspringer ist okay und es war nur ein Kratzer.' Es war mehr als ein Kratzer: Noch an der Wettkampfstätte zog der italienische Weitspringer Andrew Howe den Speer heraus und drückte seine Hand auf die Wunde. Die Ärzte übernahmen sofort die Erstversorgung; dann raste ein Krankenwagen mit Sdiri in die Klinik.

'Es hätte auch mich treffen können', sagte Howe, für den der Heim- Sieg im Olympiastadion zur Nebensache wurde. 'Wir sind ausgeflippt in dem Moment.' Der Speer von Pitkämäki segelte nur knapp an Howes Kopf vorbei, bevor er wie ein Blitz aus heiterem Himmel Sdiri traf. Danach fühlte sich Vize-Europameister Pitkämäki 'sehr schlecht', der Finne konnte am 'schwarzen Freitag' nur noch die Daumen drücken. Nach dem fatalen Fehlwurf machte der EM-Zweite zwar weiter, verlor aber wie bei den Europameisterschaften 2006 in Göteborg gegen Thorkildsen. Damit war der Finne, der zum Auftakt in Oslo und vor einer Woche in Paris gewonnen hatte, raus aus dem Rennen um den Millionen-Jackpot, aus dem sich am Ende nur die Sechsfach-Sieger bedienen dürfen.

Nur noch ein Frauen-Trio greift nach drei von sechs Meetings nach der Gold-Million: 400-Meter-Läuferin Sanya Richards, Hürdensprinterin Michelle Perry (beide USA) und Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa (Russland) setzten ihre Siegesserie bei der Golden Gala fort. Richards war in 49,77 Sekunden erneut die Schnellste über die Stadion-Runde. 100-m-Hürden-Weltmeisterin Perry legte eine Weltjahresbestzeit vor: Die 28 Jahre alte Amerikanerin war in 12,44 Sekunden schnell wie nie zuvor. Isinbajewa siegte ebenfalls unangefochten mit 4,90 Meter.

Das mit Spannung erwartete 100-Meter-Duell zwischen Weltrekordler Asafa Powell und Derrick Atkins (USA) gewann der zuletzt verletzte Jamaikaner in 9,90 Sekunden mit zwölf Hundertstel Vorsprung. 'Ich bin wieder da und voll der Alte', meinte Powell nach dem perfekten Comeback. Eine Weltjahresbestleistung stellte der Äthiopier Sileshi Sihine über 5000 Meter in 13:01,46 Minuten auf. Peinlich für die deutsche Leichtathletik: Kein einziger Teilnehmer war am Start.

Eine Weltjahresbestleistung über 5000 Meter stellte der Äthiopier Sileshi Sihine in 13:01,46 Minuten auf. Die meisten anderen Ausdauer- Spezialisten aus seinem Land mussten wegen der bevorstehenden All Afrika Games in Algerien zu Hause bleiben. Über die 110 Meter Hürden lieferten sich in Abwesenheit von Weltrekordler Liu Xiang (China) Anwar Moore und Dayron Robles ein packendes Duell: Der Amerikaner setzte sich in 13,16 Sekunden vor dem kubanischen Jungstar Dayron Robles (13,17) durch.

Auf zwei Unterschenkelprothesen lief der Südafrikaner Oscar Pistorius im 400-Meter-B-Lauf fast allen davongelaufen. Der 20 Jahre alte Paralympics-Sieger musste sich in 46,90 Sekunden nur dem Italiener Stefano Braciola (46,72) geschlagen geben. Er blieb bei seinem ersten Start bei einem Meeting der 'Nichtbehinderten' hinter seiner Bestzeit von 46,00 Sekunden zurück.

Pistorius, der ohne Zehen, Fußballen und Wadenbeine geboren wurde, möchte als erster unterschenkelamputierter Sprinter an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teilnehmen - mit der 4 x 400- Meter-Staffel seines Landes. Der Internationale Leichtathletik- Verband (IAAF) verwehrt ihm dies jedoch, weil sich seiner Ansicht nach der 20-Jährige durch seine Karbonfieber-Prothesen Vorteile verschaffen könnte. Zudem verbiete eine Regel, dass 'Hilfsmittel' bei Wettkämpfen verwendet werden. Allerdings ließ die IAAF Pistorius' Rennen von Rom für Studienzwecke filmen.