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Freitag, 19. Juni 2009, 23:49

1500. Ausgabe "Big Brother": Kein Ende in Sicht

1500. Ausgabe "Big Brother": Kein Ende in Sicht



Foto/Endemol


Hamburg -

Genau 60 Kameras und 50 Mikrofone sind in einem Raum von knapp 1 400 Quadratmetern postiert. Auf 80 Monitoren verfolgen rund 250 Mitarbeiter im Schichtdienst 24 Stunden lang das Geschehen im Fernseh-Container der TV-Dauerwurst "Big Brother" in der Nähe von Köln.



Ein Ende ist nicht in Sicht: Die Realityserie feiert sich am kommenden Montag beim Münchner Privatsender RTL 2 selbst, denn an dem Tag geht die 1 500. tägliche Zusammenfassung über den Sender.

Gegenwärtig sitzt die Produktion, die vom niederländischen TV-Riesen Endemol verantwortet wird, fest im Sattel. Aber einige Male wäre fast die Reißleine gezogen worden: Das galt für den Anfang im Jahr 2000, als Kritiker aus Politik und Medienaufsicht sich gleichermaßen über das Treiben im "TV-Gefängnis" echauffierten. Vor vier Jahren setzte die Exhibitionistenshow zur Quotentalfahrt an, Produzent und Sender mussten verhandeln. Das galt auch für den Start der neunten Staffel im Dezember 2008, als die Quoten erneut abstürzten.

Doch jetzt herrscht wieder Ruhe im Karton. Zwischen 800 000 und eine Million Zuschauer sitzen täglich vor der Röhre, um x-beliebigen Freiwilligen, die sich für einen Zeitraum von etwas mehr als einem halben Jahr freiwillig der Hölle der Langeweile aussetzen, beim Gähnen, Essen, Trinken, Rauchen, Zähneputzen, Nasepopeln oder gar beim Sex zuzugucken. Immerhin winken dem Sieger, der von den Zuschauern per Telefonwahl bestimmt wird, glatte 250 000 Euro Belohnung.

Für den Produzenten Endemol ist diese Situation ideal: Die Quote ist stabil, der Kritiker ist ruhig. Aber fehlt es nicht an Inspiration? "Wir haben immer wieder neue Spielideen", sagt Produzent Rainer Laux, Mann der ersten Stunde, der am 1. März 2000 den Startknopf drückte. "Das Gute ist: Wir haben heute eine neue Idee, morgen ist sie schon auf Sendung." Endemol probiert im Kandidatenkreis von "Big Brother" aus, was in größeren Shows nachher in ausgereifter Form verwirklicht wird.

Doch als Tagesgespräch taugt "Big Brother" nur noch bedingt: Wie fasste sich die ganze Nation an den Kopf, als Zlatko nicht wusste, wer William Shakespeare ist, aber als Belohnung immerhin an der Abfüllung des "Shakes-Biers" teilhaben durfte. Was tuschelte der Boulevard, als Kandidat Alex Sex mit Mit-Insassin Kerstin hatte und später der blonden Jenny Elvers, die damals noch nicht Elbertzhagen hieß, Avancen machte und schließlich der Vater ihres Sohnes wurde. Und was löste es für einen Wirbel aus, als FDP-Politiker Guido Westerwelle populistisch Eingang in den Container suchte?

Aber im nicht-privaten TV-Zoo entstand auch private Nähe: Karim und Daniela fanden sich in der zweiten Staffel und heirateten vor sieben Jahren. Sie sind immer noch zusammen. Auch Bettina und Marko gaben sich nach der sechsten Staffel das Ja-Wort. Sie sind inzwischen getrennt. Jenseits der Grenze des guten Geschmacks plusterten sich zwei Kandidaten auf, die mit antisemitischen und pädophilen Sprüchen voll daneben lagen. Laux: "In keiner Live-Sendung im deutschen Fernsehen kann man alles verhindern."

Kann man Fernsehen 2000 mit Fernsehen 2009 vergleichen? Verlagert sich die Zugkraft der Unterhaltung nach und nach in die Neuen Medien? Laux: "Es gibt erfolgreiche Internet-Plattformen, aber man nenne mir ein Format, dass durch das Internet so viel erreicht wie ´Big Brother` im TV! Ich kenne keines." Die Endemol-Show hat inzwischen ihren Siegeszug in 70 Ländern angetreten, in 42 ist sie gegenwärtig zu sehen. Und auch im Internet ist sie präsent. Und Laux zufolge wirft die "Big-Brother"-Seite im Netz Gewinne ab - dank des Fernsehens. (dpa)


Quelle: http://www.digitalfernsehen.de/news/news_792686.html